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Planiertes Bremervörde
Durch die geplante Errichtung eines Seniorenheimes mit integrierten Praxen am Großen Platz in Bremervörde ergab sich die Notwendigkeit einer archäologischen Voruntersuchung. Zwischen der heutigen Straße „Großer Platz“ und dem an Stelle der Burganlage errichteten Kreishaus befand sich bis 1646 der alte Ortskern Bremervördes. Bereits innerhalb der ersten 14 Tage konnten unter der wenige Monate vorher beseitigten Bebauung des 19. Jahrhunderts so zahlreiche archäologische Befunde aufgedeckt werden, dass eine insgesamt dreimonatige Notgrabung erfolgte. Trotz äußerst schwieriger Witterungsbedingungen gelang es in dieser Zeit umfangreiche Baustrukturen des alten Bremervörde aufzudecken.
Als vorläufiges Ergebnis konnten insgesamt vier Parzellen des alten Ortskernes von 1646 mit Anschluss an den alten Straßenverlauf und die Trennung durch gepflasterte Traufgänge erfasst werden. Die Parzellengrößen variierten dabei zwischen 183 m2 und 245 m2. Bei der Untersuchung der Bebauungsstrukturen der einzelnen Parzellen wurden neben verschiedenen Pflasterungen von Innenräumen und Standorten von Kachelöfen auch zwei aus Findlingswänden errichtete Kellerräume erfasst. Leider war eine vollständige Untersuchung nur bei einem Kellerraum möglich, der eine Größe von etwa 20 m2 aufwies. Bemerkenswert dabei war die archäologisch fassbare Zweiphasigkeit des Kellers, die sich nicht nur durch die Zumauerung des alten Kellerzugangs und die Anlage einer neuen Treppe aus Ziegeln, sondern auch in Reparaturen einer Kellerwand und einem über dem Ursprungsniveau eingezogenen späteren Kellerboden zeigte. Auf dem mit Ziegeln sehr flüchtig gepflasterten jüngeren Kellerboden lag unter dem später eingefüllten Bauschutt eine Kanonenkugel. Dieser Fund legt neben einer verschossenen Bleikugel und einer Dolchklinge Zeugnis ab von den Auseinandersetzungen um Bremervörde im Dreißigjährigen Krieg, die 1646 schließlich zur vollständigen Zerstörung des alten Siedlungskerns durch die damalige dänische Besatzung der Burg führte. Durch die Niederbrennung und Planierung der Bebauung wollte man sich freies Schussfeld gegen Angriffe auf die Burg verschaffen. Die spätere Verlegung des Ortskernes und eine nur spärliche Bebauung des betreffenden Areals im 19. Jahrhundert ermöglichten jetzt weit reichende Einblicke in die Bremervörder Ortsgeschichte. Hierzu zählen nicht nur die erfassten Bebauungsstrukturen des 17. Jahrhunderts, sondern ebenso Hinweise auf die früheren Bebauungen, die durch mehrere Brandhorizonte voneinander getrennt sind. Umfangreiches Fundmaterial lieferte zudem Hinweise auf Metallverarbeitung in diesem Bereich. Außerdem konnte die Lage zweier Brunnen dokumentiert werden, die aufgrund der Grabungsbedingungen jedoch nicht bis auf ihren Grund ergraben oder sondiert werden konnten. Inwiefern reine mittelalterliche Besiedlungsspuren erfasst wurden, wird durch die Reinigung und Sichtung des keramischen Fundmaterials zu ermitteln sein.
Die Auswertung der bisher umfangreichsten archäologischen Untersuchung in Bremervörde ermöglicht nun ein über die bisherigen archäologischen Erkenntnisse und die schriftlichen Quellen hinausgehenden Einblick in das tatsächliche Alltagsleben dieser Stadt.
W. Scherf |